Balkenmangel, na und???
  wkw-Beitrag von Biggi
 
Hallo Ihr Lieben,

ich hab zwar kein behindertes Kind - aber eine fast 6 jährige Ärzteodysee hinter mir wegen meiner dementen Mutter. Und einen dementen alten Menschen in diesem Land ordentlich zu versorgen ist schätzungsweise genauso anstrengend wie ein behindertes Kind - anders halt. Ein Kind macht einen traurig, weil man sich das anders vorgestellt hat und immer die Ängste hat, was wird kommen. Dafür macht es Fortschritte. Bei einem alten Menschen weiß man, irgendwann erlöst der Tod - dafür ist es ein stetiges Bergab. Das schlaucht auch.

Seither weiss ich auch wie unverstanden man von Ärzten sein kann. Weil immer in erster Linie nach Schema F verfahren wird, weil schnell zu Medikamenten gegriffen wird, etc. ... Bei meiner Mutter hab ich z.B. festgestellt, dass die ganzen Antidementiva gar nichts nützten, außer daß ihr davon schlecht wurde und die Neuroleptika die Situation eher verschlechterten...... wir hatten einen tollen Neurologen - trotzdem konnte er nicht verstehen, wieso ich drauf bestand, die Medis wieder abzusetzen, ich würde die Folgen auch ertragen. 5 Jahre später stand in der Zeitung, da ß mittlerweile wissenschaftlich erwiesen ist, daß die Antidementiva gar nix bringen :-(

Was ich damit sagen will - eigentlich will ich Euch nur Mut machen! Ihr habt Kinder, die auf ihre ganz eigene Weise toll sind. Die Euch jeden Tag unendlich fordern, an denen ihr aber auch wachst! Das ist verdammt anstrengend und es ist eine Superleistung, die Euch bis an Eure Grenzen bringt. Aber sie bereichern auch Euer Leben und erst zum Schluss wird zusammengezählt, wie es so schön heißt.

Wo steht eigentlich, was ein Kind in welchem Alter können muß?!? Das sind statistische Mittelwerte... und wer möchte schon gerne mittelmäßig sein?!? Meine Tante z.B. hat bis sie fast 4 Jahre alt war überhaupt gar nix gesprochen, damals dachten sie schon, sie ist stumm. Mit vier hat sie auf einmal angefangen Lieder singend durch den Wald zu spazieren.....heute ist sie Mitte 60 und war ein Leben lang alles andere als stumm :-) Auch nicht behindert, eingeschränkt oder sonst irgendwas.

Jedes Kind hat seinen eigenen Weg. Gras wächst auch nicht schneller wenn man dran zieht :-) Jedes Leben ist auf seine Weise lebenswert - das Problem sind eigentlich weniger die behinderten Kinder als unsere anstrengende Gesellschaft :-(

... und eigentlich möchte ich Euch nur Mut machen - hört auf Euer Gefühl, wenn Euch ein Arzt / eine Pflegekraft / ein Therapeut unsympathisch ist. Dann ist derjenige nicht der richtige für Euch! Und vor allem vertraut Euren Kindern, daß sie selber am besten wissen, wer gut für sie ist! Das ist bei meiner Mutter das Gleiche - manche Menschen lehnt sie spontan ab und im ersten Augenblick erschließt sich das "Warum" keinem anderen... ich selber finde sie dann anstrengend, ärgere mich ein bischen... und meistens erkenne ich dann nach einer Weile, WARUM sie denjenigen abgelehnt hat - in der Regel völlig zu Recht! Wer ist hier also in der Wahrnehmung behindert... meine Mutter - oder ich, die statt auf's Gefühl zu hören rationale Gründe vorschiebe :-)

Ihr und Eure Kinder - Ihr seid die Profis für EURE Situation. Laßt Euch da von sogenannten Experten nix vormachen... und Euch um Gottes Willen nicht ängstigen. Auch Experten können nicht hellsehen...

Ab dem Moment, ab dem ich die Situation mit meiner Mutter wirklich annehmen konnte, wurde es viel einfacher...

Ich wünsche Euch von ganzem Herzen viel, viel Mut um Eueren Weg durchzuziehen und viel Kraft, um Euch gegen gesellschaftliche Vorurteile wehren zu können ... und natürlich auch viel Kraft, um diese körperliche und phychische Last gut zu arbeiten. Es ist eine tolle Leistung, wie Ihr für Eure Kinder kämpft - vergesst Euch nur bitte selber nicht dabei...

Alles Liebe
Biggi





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